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Theaterfrühstück und Spielzeiteröffnung 2010

Mexikanische Choco-Crossies

Theaterfreunde starten in neue Spielzeit / Neue Ensemblemitglieder des Mittelsächsischen Theaters sorgen für noch mehr internationales Flair

Mit dem Theaterfrühstück und der anschließenden Premieren-Gala haben der Förderverein "Freunde des Döbelner Theaters" und das Mittelsächsische Theater die neue Spielzeit eröffnet. Dabei wurde am Sonnabend in Döbeln ein Zeichen gegen geplante Kürzungen in Sachsens Kulturräumen gesetzt.
In entspannter Atmosphäre starteten die Theaterfreunde. Es war schon das fünfte Theaterfrühstück, berichtete Christa Lange, Chefin des mehr als 50 Mitglieder starken Fördervereins, der dieses Frühstück organisiert und sich auch wieder mit den Premierenfeiern einbringen will. "Wir sind stolz, dass wir in Döbeln dieses wunderschöne Haus und so ein tolles Ensemble haben."
Mehrfach wurde während der Veranstaltung Kritik an den Sparplänen des Freistaats laut. Nach dem Frühstück wurde vor dem Theater mit großen Buchstaben der Schriftzug "Kultur gehört zu uns" gebildet. Der SPD-Landtagsabgeordnete Henning Homann hoffte darauf, dass noch Bewegung in die Regierungskoalition kommt. Die will den Kulturräumen sieben Millionen Euro wegnehmen und so die Hälfte des Landesbühnen-Etats finanzieren. Das hätte auch für das Mittelsächsische Theater Konsequenzen. Zudem solle etwa die Semperoper fünf Millionen Euro mehr bekommen, berichtete Homann. Theater-Geschäftsführerin Dr. Christine Klecker zeigte sich optimistisch, "dass wir in Döbeln und in ganz Mittelsachsen weiter Theater spielen - und zwar auf dem Niveau, das Sie gewohnt sind".

Gegen Kürzungen bei Sachsens Kulturräumen

wandten sich am Sonnabend Döbelns Theaterbesucher und Theaterschaffende. Anlässlich der Spielzeiteröffnung hatte der Förderverein des Döbelner Theaters Künstler und Publikum zum Theaterfrühstück geladen, bevor der Intendant neue Gesichter und das neue Programm vorstellte. Foto: W. Sens

Lilia Milek


Von allen Zukunftssorgen lenkte das Ensemble des Mittelsächsischen Theaters mit der Eröffungsgala zur neuen Spielzeit ab. Intendant Manuel Schöbel und Generalmusikdirektor Jan Michael Horstmann führten gekonnt und gewohnt locker durch das Programm. Sie stellten nicht nur die Höhepunkte der neuen Spielzeit vor, sondern auch die neuen Mitglieder des Ensembles. Und das ist nunmehr internationaler aufgestellt denn je. Lilia Milek ist vielen Theaterbesuchern schon von der Seebühne bekannt. In der neuen Spielzeit ist sie unter anderem in "Die Auferstehung" zu sehen. Milek wurde in Usbekistan geboren, studierte in Berlin.

Emilio Ruggerio

Für Christian S. Malchow, der ans Theater nach Hildesheim gewechselt ist, kommt Emilio Ruggerio als neuer Tenor. Der Sohn einer Sizilianerin und eines Mexikaners wurde in Mexico-City geboren, studierte in San Francisco, kam 1998 nach Europa und arbeitete zuletzt in Zürich. Eine Kostprobe seiner Stimmkraft zeigte Ruggerio mit "La donna è mobile" aus Giuseppe Verdis Oper "Rigoletto". Noch größere Bekanntheit erlangte das Stück als Werbesong für die Schoko-Knabberei "Choco Crossies". Die schmecken jetzt also mexikanisch.

Noch ein Tenor, im Chor: Sang Tea Lee. Der gebürtige Seouler studierte an der Musikakademie Kassel und überzeugte am Sonnabend am Mittelsächsischen Theater in Döbeln mit einem koreanischen Stück. Ido Arad ist neuer Schauspielkapellmeister und Repetitor. Geboren in Israel, in Florida aufgewachsen, studiert in Berlin. Der neue Chortenor Mark Schreck wurde in Eilenburg geboren und studierte in Tel Aviv. Und irgendwie scheint sich in der Mitte, in Mittelsachsen, alles zusammenzufügen. "Die Welt am Theater ist ein Dorf", brachte es Jan Michael Horstmann auf den Punkt.

San Tea Lee, Ido Arad und Mark Schreck


Hinzu kommt mit Monika Groß eine echte Döbelnerin. Sie verstärkt, zunächst vertretungsweise, das Team für die Öffentlichkeitsarbeit in Döbeln. "Wir wollen das feine, kleine TiB wieder gemeinsam beleben", sagte Monika Groß, die ebenso wie die neuen Ensemble-Mitglieder mit einem Blumenstrauß von Christa Lange begrüßt wurde.
Natürlich werden die Besucher auch auf viele andere bereits bekannte Gesichter am Theater nicht verzichten müssen. Alle zusammen zeigten sich am Ende der Gala mit dem Chanson "Oh mein Papa war eine wunderbare Clown" aus dem Feuerwerk von Paul Burkhard, eine der großen Premieren der neuen Spielzeit. Die enthält natürlich noch sehr viel mehr. Eine Überraschung kündigte Christa Lange vom Theater-Förderverein für den 8. Mai, 17 Uhr, an. Neben den weiteren Premieren stehen wieder die Vollmond-Nächte sowie die Reihe "Der Generalmusikdirektor lädt ein" auf dem Programm.

Als römische Legionäre unterhielten

Andreas Kuznick und Andreas Pannach das Publikum. Fotos (6): Wolfgang Sens


Intendant Manuel Schöbel lobte die bevorstehenden Investitionen am Theater ab März. Er danke der Stadt Döbeln dafür, dass sie zu dem Haus stehe. Während der Bauphase wird auf TiB und St.-Nicolai-Kirche ausgewichen, zum Teil auch nach Freiberg.

» Döbelner Allgemeine Zeitung
Björn Meine, 13.09.2010

Auch der Döbelner Anzeiger berichtete von der Spielzeiteröffnung:

Das Mittelsächsische Theater stimmt auf die neue S

Mit Theaterfrühstück, Protestaktion und der Vorstellung von Spielplan und Ensemblemitgliedern startet die neue Spielzeit.

Das Mittelsächsische Theater und seine Besucher haben am Wochenende den Beginn der Spielzeit gefeiert. Gleichzeitig war dies der Auftakt der Protestaktion „Kultur gehört zu uns“, mit dem die Theaterleute und -freunde gegen die von der Sächsischen Staatsregierung geplante Aushöhlung des bundesweit als vorbildlich gerühmten sächsischen Kulturraumgesetzes und gegen Kürzungen im Kulturetat mobil machen. Zum Auftakt der neuen Spielzeit hatte der Förderverein „Freunde des Döbelner Theaters“ zum traditionellen Theaterfrühstück eingeladen. „Wir finden es toll, dass der Förderverein mit dem Theaterfrühstück auf die Spielzeit einstimmt. Daran merkt man deutlich ‚Kultur gehört zu uns‘“, erklärt Christoph Nieder vom Theater.

Nach der Protestaktion nahmen die Theaterfreunde im Zuschauerraum Platz. Intendant Manuel Schöbel und Generalmusikdirektor Jan-Michael Horstmann stimmten die Besucher auf den Spielplan der neuen Theatersaison ein.

Zunächst die Hiobsbotschaft: „Im Theater wird wieder gebaut“. Das soll aber die Besucher kaum beeinträchtigen. Die Premieren erleben die Anrechtler per Transfer in Freiberg. Dann würde verstärkt die kleine Bühne im TiB genutzt, und die großen Konzerte finden wieder in der Nicolaikirche statt, verkündete Intendant Manuel Schöbel.

Vertreter aller Sparten stimmten mit kleinen Beiträgen auf Inszenierungen und Übernahmen der vorangegangenen Spielzeit ein. Schauspielerische Vielfalt und Wandlungsfähigkeit zeigten dabei besonders Andreas Kuznik und Andreas Pannach, die oft die Lacher auf ihrer Seite hatten. Reizend war die naive Eve (Norma Anthes) in einem Ausschnitt aus dem Klassiker „Der zerbrochene Krug“ zusehen.

Die aus Usbekistan stammende Sopranistin Lilia Milek kennen die Besucher bereits aus einigen Aufführungen. Neu ist der feurige Mexikaner Emilio Ruggerio für das Fach des sogenannten „italienischen Tenors“. Er sang an mehreren großen europäischen Opernhäusern und unter berühmten Dirigenten. Eine weitere Bereicherung für den Opernchor ist der koreanischen Sänger San Tea Lee. Für seine hervorragende Darbietung eines koreanischen Liedes erhielt er viel Applaus und Jubelrufe. Dazu kommt Mark Schreck. Der gebürtige Eilenburger studierte und lebte in Israel. Nicht zuletzt wurde der Solorepetitor mit Dirigierverpflichtung Ido Arad aus Israel vorgestellt.

Besonders können sich die Theaterbesucher auf die Operette „Feuerwerk“ freuen. Susanne Engelhardt stimmte darauf ein und beim großen Finale konnten am Ende alle Besucher mitsingen.

Die erste Premiere der neuen Spielzeit „Oh wie schön ist Panama“ nach dem Kinderbuch von Janosch wurde gestern von vielen Kindern und ihren Eltern besucht, sagte Monika Groß. Die Döbelnerin ist am Theater ab dieser Spielzeit mit für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

» Döbelner Anzeiger
Wilrun Wagner, 13.09.2010