30.09.2010 Kultur ist bunt - noch

Florenz und Benjamin Lomtscher
geben ein Ständchen für Döbelns Kultur. Foto: W. Sens
In Döbeln und Freiberg formiert sich der Protest gegen die geplanten Kultur-Kürzungen
Döbeln. "Was ist Bildung ohne Bibliotheken?" steht auf dem Schild, das der kleine Luis aus Hartha hoch hält. Der Sechsjährige gehört zu den eifrigen Bücherei-Besuchern, vor allem Wälzer über Autos und Traktoren dürfen es sein. Luis war nicht der einzige, der gestern ans Döbelner Rathaus gekommen war. Dort demonstrierten Bürger und Vertreter mehrerer Kultureinrichtungen gegen die vom Freistaat geplanten Kürzungen. Dabei wurde deutlich: Es geht um weit mehr als "nur" ums Theater.
"Kultur gehört zu uns", stand auf großen Plakaten, die vor dem Rathaus ausgepackt wurden. Der Döbelner Oberbürgermeister Hans-Joachim Egerer betonte die Vielfalt, die bedroht sei. Stadtbibliothek, Stadtmuseum, Kleine Galerie, Stadtsingechor, Kirchenmusik, Kammerorchester, Musikschule, Treibhaus-Verein und Frauenzentrum Regenbogen - sie alle profitieren vom Kulturraum Mittelsachsen-Erzgebirge.
Wegen der zurzeit unsicheren Finanzierung im kommenden Jahr werde Döbeln in Vorkasse gehen, kündigte Egerer gegenüber der DAZ an. "Die Stadt muss in Vorleistung gehen. Oder wollen wir die Bibliothek oder das Museum zumachen?"
Hintergrund des Ärgers: Der Freistaat will den Kulturräumen sieben Millionen Euro wegnehmen und den Landesbühnen Radebeul geben. "Das sehe ich überhaupt nicht ein", sagte Egerer. Er habe nichts gegen Kürzungen, auch nicht bei der Kultur. Aber so gehe es eben nicht. Der Stadtchef forderte ein neues Modell für die Finanzierung. Auch die Landesbühnen Radebeul würden schließlich in einem Kulturraum spielen - ohne dass der Landkreis Meißen oder die Stadt Radebeul an der Finanzierung beteiligt wären.

Döbeln protestiert gegen Kultur-Kürzungen
Die Stadt Döbeln wird wegen der unsicheren Finanzierung in einigen Kulturbereichen für das Jahr 2011 in Vorleistung gehen. Das kündigte OBM Hans-Joachim Egerer gestern bei einer Demonstration vor dem Rathaus an. Foto: W. Sens
Daher sei eine Anwendung des mittelsächsischen Modells, wo die Städte Döbeln und Freiberg sowie der Landkreis hohe Summen ins Theater stecken, ein Modell, das nun auch im Kreis Meißen angewandt werden müsse, forderte Egerer. Dann könnten die Kürzungen geringer ausfallen.
Über die Pläne der Staatsregierung wollte Musikschulchefin Margot Berthold gestern "eigentlich gar nicht lange nachdenken". Würden die angekündigten Kürzungen umgesetzt, müsse das Angebot spürbar dünner werden. "Ein flächendeckender Unterricht im gesamten Raum wäre nicht mehr durchführbar." Als erstes würde es die Honorarlehrer treffen. Die Einschnitte wären gravierend.
» Döbelner Allgemeine Zeitung
Björn Meine, 30.09.2010
Auch der Döbelner Anzeiger berichtete von der Protestaktion:
Musikschüler und Theaterfreunde protestieren musikalisch
Rund 60 Leute haben sich am Rathaus versammelt und gegen weniger Kulturangebote in der Region demonstriert.
Mit Plakaten mit Sprüchen wie „Was ist Bildung ohne Bibliotheken“ und „Kultur gehört zu uns“ versammelten sich rund 60 Kulturschaffende gestern Nachmittag vor dem Döbelner Rathaus. Für etwa 15 Minuten reihten sie sich damit in die landesweiten Demonstrationen ein, um gegen die Mittelkürzung für die Kulturräume zu protestieren. Dazu hatte der Deutsche Gewerkschaftsbund Sachsen aufgerufen und einen Aktionstag organisiert.

Musikschüler, Theatermitarbeiter, Chorsänger
und Vereinsmitglieder trafen sich gestern zum kurzen und friedlichen Protest vor dem Döbelner Rathaus. Sie wehren sich gegen die Mittelkürzung für die Kultureinrichtungen. Foto: Dietmar Thomas
„Wir wollen damit zeigen, dass dieses Geld nicht nur ins Theater fließt“, erklärt Hagen Kunze, Chefdramaturg des Mittelsächsischen Theaters. Tatsächlich waren Mitarbeiter vom Treibhausverein, der Stadtsingechor, die Kirchgemeinde, die Musikschule, der Regenbogenverein, das Kammerorchester sowie Stadtmuseum und -bibliothek bei der Demo dabei. Der Stadtsingechor stimmte ein Lied an und zwei Musikschüler spielten „Muss i denn, muss i denn zum Städtele hinaus“ – wohl eine Anspielung auf die Abwanderung der Kultur aus der Region, sollte es weniger Geld geben. „Unserem Kulturraum fehlen, wenn der Beschluss so kommt rund 400000 Euro“, so Hagen Kunze. Und Oberbürgermeister Hans-Joachim Egerer weiß auch, wie es zu der Einsparung kommt: „Damit werden die Landesbühnen finanziert. Und wenn sich der Landkreis Meißen und die Stadt Radebeul daran beteiligen würden, dann könnte die Kürzung geringer ausfallen.“ Er hofft, dass diese Aktion hilft und die Landtagsabgeordneten noch einmal darüber nachdenken. Er würde sich für ein solches Konzept jedenfalls einsetzen. „Schließlich sind es sehr viele Einrichtungen, wo dieses Geld hineinfließt und es dringend gebraucht wird“, so der Bürgermeister.
» Döbelner Anzeiger
Peggy Zill, 30.09.2010


