27.10.2011 Ute, Dieter und eine Katze
Ute, Dieter und eine Katze
Die Kabarettistin Christine Prayon gastierte mit ihrem Soloprogramm im Döbelner Theater
Wer ist Christine Prayon?
Das hat sich am Dienstagabend im Döbelner „Theater im Bürgerhaus“ (TiB) wohl so mancher Zuschauer gefragt. Die Kabarettistin aus Bonn gastierte auf Einladung des Vereins „Freunde des Döbelner Theaters“ in der Stadt. Sich selbst bezeichnet Prayon als „eine professionelle, staatlich geprüfte Komikerin“ – deshalb auch der Programmtitel „Die Diplom-Animatöse“. Gleich zu Anfang bestach sie das Publikum mit gnadenloser Ehrlichkeit: „Das ist ein Soloabend. Sie werden heute Abend nur mich sehen. Nur: Woher wollen Sie wissen, dass ich Christine Prayon bin?“ Ihren Worten ließ die Kabarettistin Taten folgen: Immer wieder trat sie – mit anderer Stimme, neuen Gesten, kurz: in einer anderen Rolle – auf die Bühne und versicherte, dass sie die einzig wahre Prayon sei.
Scharfzüngig ließ sie dabei kaum ein Thema unberührt: Frauen im Kabarett, der deutsche Humor, die Karriere im Showbusiness. Mario Barth, eher für derbe Späße bekannt, wurde als Held der deutschen zeitgenössischen Lyrik gefeiert. Und als Carla Bruni zeigte Prayon, wie ihr Botox-gelähmtes Gesicht während eines Lachanfalls aussieht.
Und als wäre das noch nicht genug, bricht bei der Bonnerin auf der Bühne auch noch die Schizophrenie aus: Statt Christine Prayon stehen dort plötzlich „Dieter“, „Ute“, „Cliff“ und noch einige andere Personen sowie eine Katze, die sich aus dem Unterbewusstsein der Künstlerin befreien wollten, um selbst einmal im Rampenlicht zu stehen. Beeindruckend, wie die Schauspielerin im fliegenden Wechsel sechs verschiedene Charaktere darstellen kann, ohne sich zu verhaspeln.
Höhepunkt des Abends: Der inszenierte Tod der Künstlerin auf der Bühne. Sie erstickte an einem Holunderbonbon aus dem Publikum. Allerdings lässt Christine Prayon es sich nicht nehmen, ihren Tod medial auszuwerten – ihre Nachrufe hat sie als Nachrichtensprecherin gleich selbst in die Welt posaunt.
Mit vollem Körpereinsatz und viel nackter Haut treibt Prayon Alltagsgeschehen auf die Spitze. Über schlechte Witze kann sie selbst am meisten lachen. Selbstbewusst nimmt sie Peinlichkeiten in Kauf und thematisiert die Defizite ihres zweistündigen Solo-Abends. Den am wenigsten amüsierten Zuschauer besticht sie durch einen Lottoschein.
Zum Abschluss gab’s ein Dankeschön: gesungen von Claudia Ahnert vom Theater-Förderverein (der hatte den Abend übrigens erst ermöglicht). Christine Prayon war sichtlich gerührt – und Dieter und Ute blieben stumm.
» Döbelner Allgemeine Zeitung
Laura Schilling, 27.10.2011



